 |  | | Titel: | Dunkle Gesellschaft |  | | Untertitel: | | | Anmerkungen: | Gebunden | | Autor: | Gert Loschütz | | Verlag: | Frankfurter Verlagsanstalt | | Ort: | | | Jahr: | 2005 | | Veröffentlichungsdatum: | 2005-09-00 | | Veröffentlichungsort: | | | Seiten: | 219 Seiten | | Preis: | 19,90 EUR | | ISBN: | 362700129X | | Der Autor im Internet: | | | Der Verlag im Internet: | | | Rezensent: | Claudia Schulmerich | | Kontakt: | redaktion@rezension.net | | Quelle: | Rezension.net, www.rezension.net | | |
| Gert Loschütz, Dunkle Gesellschaft, Frankfurter Verlagsanstalt | Roman in zehn Regennächten – unheimlichen Regennächten | | | Es war naß, nasser, nässer, am nässesten, am allernässesten, vollkommen durchnäßt. Die Tropfen dringen durch die Kleidung hindurch auf die Haut, dann durch alle Poren ins Körperinnere, der Weg verliert sich, was bleibt, sind Ungemütlichkeit, Anspannung, düsteres Gestimmtsein, ein Gefühl von Ausweglosigkeit, Angst vor Bedrohung. Es ist genau dieselbe Angst, die den Erzähler dazu treibt, seine Erfahrungen mit den dunklen Gestalten niederzuschreiben. Schreiben, um den Schrecken zu bannen, nicht um ihn zu erklären. Denn zu erklären gibt es nichts. Es passiert. Und es hat immer mit Wasser zu tun. Wasser wird hier zum Erzählgegenstand und zur Metapher für das Fließende, Geschehende, die flutenden Erinnerungen, die am Rande des eigenen Bewußtseins angedockt sind und sich zum nicht wählbaren Zeitpunkt lösen, freischwimmen und das Unheil deutlich machen.
Gert Loschütz wurde 1946 in Sachsen-Anhalt geboren, wuchs in Hessen auf und lebt seit langem in Berlin. Sein Binnenschiffer Thomas leidet darunter, daß es ihn in die niedersächsische Provinz verschlagen hat, wo einfach kein Wasserlauf vorhanden ist, die Weite des Himmels nicht des Wassers Fehlen kompensieren kann. Unruhig machen den Protagonisten die fehlenden Fluten, zu denen sich Sturm, heftiger Regen, Gewitter hinzugesellten. Waren es doch Ereignisse der wasserreichen Vergangenheit, die sich auf seiner Seele niedergelassen haben, diese wie auch sein Gemüt verdüstert haben, Ereignisse, die mit der dunklen Gesellschaft zu tun haben, vor der ihn schon sein Großvater gewarnt hatte und die jedesmal Vorboten von Unheil und Katastrophen wurden. In zehn Kapiteln läßt Loschütz eine Welt von Wirrnis, Bedrohung und Ausweglosigkeit entstehen, die mit Mord, Verschwinden von Menschen, völlig unerklärbaren Vorgängen zu tun hat, die weder der Schreibende noch der Leser versteht. Diese Leserin auf jeden Fall nicht. Die Geschichten des Thomas spielen zudem in unterschiedlichen Zeiten, an völlig unterschiedlichen Orten wie Berlin, London, New York, Wien, Rom, an der Spree und in Brandenburg. Überall taucht die dunkle Gesellschaft und treibt ihr magisches Spiel, zu dem hinzugehört, daß sie nicht einmal selbst in Person erscheinen muß; ihr Abbild genügt schon, um das Unheil auszulösen. Mir war beim Lesen immer wieder so, als ob das Unheil, das von den dunklen Gestalten ausgeht, im Kopf und Gemüt des Binnenschiffers selbst nistet, daß er nicht nur Zuschauer, sondern Mittäter ist, daß er weitaus weniger unschuldig ist, als sein Niedergeschriebenes vermuten läßt. Dann allerdings gegen Schluß sind die Regennächte wohl vorbei. Er ist ausgelöst und erlöst und darf unbehelligt weiterziehen. Was bleibt, sind regennasse Gedanken, Bilder im Kopf, die Träumen gleichen und in einer Landschaft spielen, die den grünwuchernden von Rousseau entsprechen, die auf kräftigen Regen angewiesen sind und so manchen Sturm aushalten.
Ein Wort noch zum Lektorat. Über die unglückliche Liebe des Autors zum „um zu„ an den unpassenden Stellen, möchte ich mit dem Autor einmal selber reden. Nach 15 x „um zu„ an den falschen Stellen, habe ich mich allerdings gefragt, wozu es ein Lektorat gibt. (Ein Beispiel auf Seite 92: „…und schlief sofort ein, um erst am Abend vom Klingeln des Telefons wieder wach zu werden." Loschütz gelingen einprägsame Bilder wie „Schon seit Wochen war ein Ziehen und Zerren in mir. Die eine Stimme sagte: Geh!, die andere: Bleib!, wie ich es nur von größeren Abschieden kannte; ein Wünschen und Gegenwünschen, ein Sichdehnen und Schrumpfen das mich bald auseinanderriß, bald zu einem Klumpen zusammendrückte; aber auch ein Sichdehnen und Schrumpfen der Zeit, eine Anspannung, die…" (S. 202f). | | | | Letzte Änderung: | 2005-11-04 | | Bewertung: | | |  |  | |