 |  | | Titel: | 42 |  | | Untertitel: | 42 | | Anmerkungen: | | | Autor: | Thomas Lehr | | Verlag: | Aufbau Verlag | | Ort: | Berlin | | Jahr: | 2005 | | Veröffentlichungsdatum: | 0000-00-00 | | Veröffentlichungsort: | | | Seiten: | Gebunden, 368 Seiten | | Preis: | 22,90 EUR | | ISBN: | 3351030428 | | Der Autor im Internet: | | | Der Verlag im Internet: | | | Rezensent: | Claudia Schulmerich | | Kontakt: | redaktion@rezension.net | | Quelle: | Rezension.net, www.rezension.net | | |
| Vom Verschwinden der Zeit und dessen Folgen | Rezension zu: Thomas Lehr, 42, Aufbau Verlag | | | Unheimlich diese Geschichte, die einen zwingt über etwas nachzudenken, das man nie ausreichend hat, ihr immer hinterherjagend, sie fangen und genießen wollend: die Zeit. Sie ist einfach weg, steht still, setzt aus, dabei ist sie doch die Grundannahme unseres ganzen Lebens, das vom Werden, dem Sein und dem Vergehen spricht und in dem wir im Kopf sehr viel mehr in der Vergangenheit kruscheln, als uns gut tut und viel zu wenig in der Zukunft verweilen, obwohl das Ideal das Jetzt, das Hier, das Sein in der Gegenwart wäre. Aber diese Gegenwart gibt es nicht mehr. Es ist 12 Uhr 47 Minuten und in deren 42. Sekunde bleibt die Zeit einfach stehen. Das wüßte natürlich keiner, wären nicht 70 Personen verschont, oder doch besser von der Masse isoliert worden und nun zu einem Außenseiterdasein als Chronifizierte gezwungen. Es bleibt nicht bei den Siebzig, denn Krankheit und Mord dezimieren die Gruppe. Diese unheimliche Geschichte spielt im Schweizer Forschungszentrum CERN, in der Nähe Genfs, das schon Dan Brown zu einem Thriller (Lübbe Verlag) motivierte. Der jüdische Exilant, Zeitforscher Strom aus dem wunderbaren Roman „Der Klang der Zeit„ von Richard Powers (Fischerverlag) geht dort (in Amerika und im Roman) seinen Forschungen zu Einsteins Zeitheorie nach und kann nicht helfen, die Lichtgeschwindigkeit bringt auch nicht weiter, es hilft nichts. Die Überlebenden, besser, die noch Lebendigen, die dies einem unterirdischen Schacht, in dem sie sich zufällig aufgehalten hatten, verdanken, sehen sich einer eingefrorenen Welt gegenüber. Noch aus Kinderspielen wissen wir, wie eigenartig die Sicht auf die Menschlein wurde, wenn auf klanglichen Befehl hin alle in der Position verharren mußten, in der sie sich gerade befanden. Was damals zum Lachen war, wird angesichts der Realität in Cern zum Weinen, denn es ist kein Ende der Blockade der Zeit abzusehen, doch da, eine Sekunde und noch eine…wie es dann weitergeht, müssen Sie selber lesen! Denn das Eigenartige und das Besondere an dem Buch sind, wie der Autor Zeit und Sprache zusammenbringt, wie er wissenschaftliche Betrachtung und entsprechende, besser: gegenläufige Sprache zusammenzwingt und die so übergescheiten Menschen lehrt, daß die Beherrschbarkeit von Raum und Zeit (und die von Sprache) eine vermeintliche ist.
Autor Thomas Lehr wurde 1957 in Speyer geboren und lebt schon lange in Berlin. Er hat bereits zahlreiche Romane geschrieben und viele Preise erhalten. Im Aufbau Verlag sind erhältlich „Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade", „Die Erhörung", „Nabokovs Katze" und „Frühling". | | | | Letzte Änderung: | 2006-02-01 | | Bewertung: |      | |  |  | |