Titel:Tekknologic Tekknowledge Tekgnosis
Untertitel:Ein Theoremix
Anmerkungen:Hg. von Tom Lamberty und Frank Wulf
Autor:Qrt
Verlag:Merve
Ort:Berlin
Jahr:1999
Veröffentlichungsdatum:2004-11-01
Veröffentlichungsort:Lucid-Zoom
Seiten:149 Seiten
Preis:10,00 EUR
ISBN:388396154X
Der Autor im Internet:
Der Verlag im Internet:http://www.merve.de
Rezensent:Wolfram Hasch
Kontakt:redaktion@rezension.net
Quelle:Rezension.net, www.rezension.net
 

Paramilitärische Tanzbeine

Subliminale/r MiliTanz in Qrt`s Techno-Logik

 
Nach dem Tod des Theorie-Derwischs und XnPop-Keepers M.K. Leiner haben Frank Wulf und Tom Lamberty den Nachlaß des Autors verwaltet und mit "Drachensaat", - einem üppigen Werk über "den Weg zum nihilistischen Helden" - inzwischen das dritte Buch Qrts - so der Künstlername Konradin Leiners - herausgebracht.

Der ersten Buchpublikation "Schlachtfelder der elektronischen Wüste" folgte noch im selben Jahr ( 1999 ) die zweite, ein unter dem Titel "Tekknologic, Tekknowledge" herausgegebener Theoremix, der 13 Essays enthält. Der Titel "Tekknologic,Teknowledge" verweist auf den Hauptessay des Buches und soll deshalb und aus größerem Interesse gegenüber den anderen Themenbereichen (Onanie, Geschichte des abgehackten Kopfes, Wiederholungsmörder) an dieser Stelle beschäftigen.

Zunächst geht es kurz, aber trotzdem recht dezidiert um die ethnologische Affinität zwischen Techno und den Kulturen der Primitiven, Trance-Stämme und Schamanen. Trotz der Beweiskraft und Subtilität dieses Vergleichs stößt jedoch auf, daß die Intention des Textes nicht über die sozialisatorische Selbsterklärung eines Ravers hinausgeht und dadurch lediglich die in dieser Zeit ( etwa 1992 ) kursierenden Manifeste, Bücher, Analysen,die allesamt den Versuch einer Sozialethnik des Tekkno unternahmen und dabei stets mit den Zulus begannen und mit den Balinesen oder Hajutis aufhörten, um eine weitere Fußnote bereichert. Leider werden innerhalb des Ritualistikthemas -außer technologischen oder technologisch bedingten- kaum Differenzen zwischen alten und neuen Wilden aufgezeigt ( kaum ein hochindustrieller Tekno-Schamane hat z.B. monatelang Schüttelfrost oder würde seine Tochter für einen mystischen Kontakt mit den Göttern opfern), denn nach all den Beiträgen über die Wiedergeburt des Primitiven- Zeremonial-Kultes im tekknologischen Zeitalter hätte man gern ein paar grundlegende Ungereimtheiten zwischen den Stammescodes von Sansibar und Berlin/Detroit gehört. So richtig haarsträubend wirds aber erst, wenn Qrt behauptet, die Tekno-Bewegung sei "eine miltärische Organisation, die im Raum der Diskothek den Medienkrieg ausficht."Tanz und Drugs sind, so der Autor, nichts weiter als "Trainingsübungen im Kampf gegen postindustrielle Reizüberflutung. "Das Outfit des Tekk-Freaks ist nach Qrt eine Art Söldner - Look und Tarnanzug beim Überleben im Dschungel der Mediengesellschaft.

Solche und andere hahnebüchenen Theoriepfropfen können zum Glück von anderen Essayabschnitten ( z.B. den über Remix,Subliminal etc ) qualitativ allemal ausgebügelt werden, sodaß es alles in allem Spaß macht, "Tekknologic" zu lesen.
 
Letzte Änderung:2004-05-09
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