Titel:Passwörter
Untertitel:
Anmerkungen:
Autor:Jean Baudrillard
Verlag:Merve
Ort:Berlin
Jahr:2002
Veröffentlichungsdatum:2005-06-02
Veröffentlichungsort:Lucid-Zoom
Seiten:78
Preis:10,00 EUR
ISBN:3883961795
Der Autor im Internet:
Der Verlag im Internet:http://www.merve-verlag.de
Rezensent:Wolfram Hasch
Kontakt:redaktion@rezension.net
Quelle:Rezension.net, www.rezension.net
 

Eine Art Memorials

Komprimiert und leicht nachvollziehbar erläutert Baudrillard die zentralen Begriffe seiner Philosophie

 
Nach den "Cool Memories" des französischen Philosophen Jean Baudrillard gibt es nun mit dem im Merve-Verlag erschienenen Buch „Passwörter“ eine Art Term-Memories der Philosophie Baudrillards.
In dem kleinen, knappe achtzig Seiten fassenden Büchlein erläutert der Theoretiker noch einmal den Hintergrund seiner bekanntesten philosophischen Termini.
Nach der Lektüre dieses Buches müssten alle Mißverstandnisse (und die gibt es bekanntermaßen gerade bei einer recht offenen Theorie umso häufiger) über die „Passwörter“ in der Baudrillardschen Philosophie ausgeräumt sein: was der französische Denker in seinen zahlreichen Analysen unter Objekt, Wert, Verführung, symbolischem Tausch, Virtualität etc. versteht, wird auch dem letzten seiner Leser, der womöglich nach einem neuen Buch des Franzosen bei gewissen - von Baudrillard ganz eigen affizierten - Begriffen, die er längst im Sinne des Autors verstanden zu haben glaubte (und darum geht es ja zunächst beim Nachvollziehen einer Philosophie, bevor man sie mglw. kritisiert), neuerlich in Irritation geriet, nun klar (Klaus Theweleit nennt Baudrillards Theoreme "selbstgemachte Gefängnisse einer begrifflichen Spielzeugwelt", siehe Theweleit "Der Knall").

Komprimiert und leicht nachvollziehbar erläutert Baudrillard die zentralen Begriffe - die Passwörter - seiner Philosophie.
Passwörter, das sind für den französischen Denker jene Wörter, die ins innere der Dinge eindringen, ohne diese Dinge katalogisieren zu wollen. Solche Termini versuchen eine Erklärung der Ereignisse , aber nicht anhand eines bestimmten philosophischen Gerüsts oder der Absicht, aus dem vorhandenen Betrachtungsmaterial ein neues theoretisches Sichtraster zu generieren. Für Baudrillard sind Wörter außerdem “magische Operatoren mit gewissem Charme, die nicht nur Ideen und Dinge vermitteln, sondern selbst zu Metaphern werden und sich in einer Art Spiralbewegung zueinander verwandeln“ (S.4).

Der inzwischen 73jährigen Denker erfreut seine Leser in seinem neuen Buch also mit einer Art Memorials, die das Substrat seiner Philosophie unter deren wichtigsten Oberbegriffen erläutern und unterstreicht damit, daß ihm an der Durchsichtigkeit seines Denkens gelegen ist.
Erfreulich daran ist, daß viele Theoretiker - egal welchen Coleurs - ihre Ära mit einem solchen Buch beginnen könnten, eben weil sich ihr Denken a priori konstituiert hat, bevor es sich in unzähligen Facetten darlegt, während Baudrillard erst am Ende seines philosophischen Schaffens rückblickend zu einer Gerinnung solcher Theoreme und Begriffe gelangt, die sich als zentral und "meterologisch" gegenüber der von ihm reflektierten Wirklichkeit im Vergleich zu anderen seines philosophischen "Systems" herausgebildet haben.

Die Texte dieses Büchleins bilden auf ausgesprochen leicht verständliche Weise a posteriori einen Zugang zu einem analytischen Werk, daß inzwischen auf über fünftausend Seiten angewachsen sein dürfte.
Daß es sich bei "Passwörter" nicht um das eine Theorie musealisierende Unternehmen eines vergreisten Denkens handelt, daß gegen Ende mangels reflektorischer Bewegungskräfte seine einstmals luziden Prozesse gegen eie Handvoll säkularisierte Systemcodes eintauscht, beweisen Baudrillards bereits handfeste Pläne für in Kürze erscheinende neue philosophische, politische und kunstästhetische Untersuchungen.
 
Letzte Änderung:2004-05-09
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