 |  | | Titel: | Die Narrenschaukel |  | | Von: | Gerhard Branstner | | Mit: | Peter Bause | | Regie: | Gerhard Branstner | | Wo: | OstEndTheater, Zimmertheater in Berlin-Karlshorst | | Weiteres: | | | Das Theater im Internet: | | | Rezensent: | Robert Meyer | | Kontakt: | redaktion@rezension.net | | Quelle: | Rezension.net, www.rezension.net
Erstveröffentlichung: Neues Deutschland, Seite 23, vom 09.09.2004 | | |
| Metaphern werfen Fragen auf | Branstners »Narrenschaukel « bringt Lebensweisheiten in Bewegung | | | »Die Krähe war im Chor der Tiere
der schlechteste Sänger, da man sie
nicht fortschicken konnte, machte
man sie zum Dirigenten.« Was ist
das, eine Minifabel, eine Allegorie
auf menschliches Verhalten? Wo
immer man es auch einordnet, man
hört hin, übersetzt und macht sich
ein Bild.
Das Gleichnis stammt von Gerhard
Branstner. Im voll besetzten
Zimmertheater in Karlshorst trug
der Schauspieler Peter Bause aus
Branstners »Die Narrenschaukel«
vor. Gerhard Branstner, der Universalist,
hat nun eine Theorie des
»eigentlichen Theaters« entwickelt,
des ganzheitlichen Welttheaters.
Ein Mann, der so selbstverständlich
mit der Komplexität von Theater,
Politik, Philosophie und Natur umgeht,
macht neugierig auf das, was
er zu sagen hat. Der 77-Jährige hat
viel erlebt und viel geschaffen. Auf
Branstner muss man sich einlassen,
einen Schlüssel finden, der einen
Weg in seinen Kosmos öffnet.
Manchmal drängt sich ein Vergleich
zu Karl Valentin auf. Zum Beispiel
in der Art des Humors und manchmal
in der knappen, treffenden
Sprache. Vielleicht liegt eine Gemeinsamkeit
auch darin, dass man
beiden schnell zuschreibt, ganz nah
am Leben dran zu sein. Das »kreative
System Branstner« aber lässt
sich schwer fassen. Als ob das Allzumenschliche
in einem gewaltigen
und fortwährenden Strom von Bildern
umgesetzt wird – Metaphorik,
die Verstehen verzögert und genau
dadurch Fragen nach der Beschaffenheit
der Wirklichkeit stellen
lässt.
Lieder, Allegorien, Fabeln, Anekdoten,
auf den Kopf gestellte und
abgewandelte Volksweisheiten – ein
wenig Goethe, ein bisschen Politik.
Gerhard Branstner schöpft aus dem
vollen Leben. Der Schauspieler Peter
Bause meinte eingangs,
»Branstner einzustudieren ist
schwieriger als Brecht«. Darin
steckte ein großes Stück Bewunderung
für den Universalisten. Bause
rezitierte Branstner, aber er trug
ihn nicht einfach nur vor. Der
Schauspieler legte viel Können,
Sympathie und Zuneigung in den
Vortrag.
Die Lieder begleitet am Klavier
Tommi Taste, Regie führte Meister
Branstner selber. Während des Vortrages
gab es Momente, in denen
das Leben zu sagen schien: Nehmt
den ganzen Zirkus doch nicht so
ernst und werdet ein wenig heiterer!
Wieder am 23. u. 30.09.2004, 21 Uhr,
OstEndTheater, Boxhagener Straße
99, Friedrichshain | | | | Letzte Änderung: | 2004-10-27 | | Bewertung: | | |  |  | |