 |  | | Titel: | FAUST - Der Tragödie erster Teil |  | | Von: | Goethe | | Mit: | Isabel Schosnig, Regine Zimmermann, Ingo Hülsmann, Horst Lebinsky, Sven Lehmann, Peter Pagel, Henning Vogt | | Regie: | Michael Thalheimer | | Wo: | Deutsches Theater Berlin | | Weiteres: | | | Das Theater im Internet: | http://www.deutsches-theater.berlin.net | | Rezensent: | Dave | | Kontakt: | redaktion@rezension.net | | Quelle: | Rezension.net, www.rezension.net | | |
| Minimalismus in Schwarz | Faust light am DT -- keine Magie, nur Worte | | | Nun bin ich nicht der regelmäßigste Theatergänger, zugegeben. Dennoch meine ich, mich dunkel an Prologe zu erinnern. In dieser Inszenierung gibt es keine. Wo wir gerade dabei sind: ebenfall fehlen Kostüme (die Schauspieler tragen unauffällige Alltagskleidung), Requisiten (bis auf Wasserglas, Bett und Kästchen) und Bühnenbild. Erst beim Betreten des Gretchenzimmers öffnet sich die bis dahin monoton rotierende schwarze Lamellenwand, vor der sich Faust und Mephisto nebst zweier Studenten (die viel älter sind) Monologe abringen und zwischendrin abrocken.
In dieser Inszenierung kommt es also auf das Wort an, denkt man sich. Allerdings wurde an einigen Stellen gekürzt. Ingo Hülsmann gibt den durchaus sympathischen, wenn auch zum Überschwang neigenden Faust, der Teufel wird ganz witzig von Sven Lehmann dargestellt. Das Gretchen ist die gar gertendünne Regine Zimmermann, die sich zum Ende hin unter der Bettdecke mit Schminke zuschmiert und einen Blutbeutel am Hals zerdrückt. Körpereinsatz scheint der Regisseur verstärkt zu fordern, denn alle Hauptdarsteller haben ihre mitunter lange andauernden Ausraster / Zappelphasen. Überhaupt verteilen sich einige Schmunzelmomente über den Abend, was einen schönen Kontrast zu den Momenten bietet, in denen die Redner in einen Hitler-Deklamier-Brüllton übergehen. Das liegt ja derzeit im Trend.
Aber Schluß mit dem Äußerlichkeiten: Es geht um einen Gelehrten, der einsieht, daß er nichts weiß und sich der Magie hingibt. Er scheitert beim Selbstmordversuch am Wasserglase und freut sich kindlich am neuen Tage. Der Teufel kommt auf Zuruf und handelt einen Kontrakt auf Basis einer Wette aus. Mag er auch als böse intendiert sein, so verhält er sich hier recht zahm. Er ist kein Wishmaster, kein Djinn, obgleich auch seine Wunscherfüllung im Tode einer Frau endet. Hier kann man erwähnen, daß Mephisto mitunter sehr lange Sprechpausen macht. Da Faust Schulstoff ist, trifft man viel Jungvolk an im Saale, weswegen wohl dieser Faust light auch nur 3 Stunden dauert. Der Text kommt denn auch in allen Tonlagen klar und mächtig herüber, allein der visuelle Minimalismus und fehlende Special-Effects lassen das Zuschauerauge ermüden.
Auf der Website des DT findet man viele Rezensionen, die äußerst wohlwollend mit dem Stück umgehen. Ich kann das nicht unterstützen. Lockte mich noch die Zeremonie zur Illumination der großen Schriftzuginstallation vor dem Theater in den Saal, frage ich mich doch, warum da "verweile doch" steht. Sicher, jeder darf nach Herzenslust Goethe auf die Bühne bringen. Ich hätte es nur nett gefunden, wenn da im Titel als Warnung stünde: "Stark gekürzt und in Brecht-Manier". Hier klappt ein Verfahren wie "reduce to the max" nicht wirklich. Ich fühlte mich der wichtigen Zeit- und Ortswechsel beraubt, da alles auf der schwarzen Bühne ineinanderfloss.
Fazit: Schrauben Sie ihre Erwartungshaltung nicht zu hoch, dann mag es ganz vergnüglich sein, den Akteuren beim Stehen, Hopsen und Herumlaufen zuzusehen. An den Darstellern liegt es nicht, daß man vom Geiste des Dichters unerfüllt den Saal verläßt. Ein netter mehrteiliger Kinofilm mit großem Budget und prächtigen digitalen Effekten wäre auch mal wieder für den Fauststoff angebracht. Wer traut sich? | | | | Letzte Änderung: | 2004-12-14 | | Bewertung: |    | |  |  | |