 |  | | Interpret: | Roy Brown |  | | Titel: | Roy Brown | | Verlag: | | | Jahr: | | | Rezensent: | Lothar A. Heinrich | | Kontakt: | redaktion@rezension.net | | Quelle: | Rezension.net, www.rezension.net | | |
| Good Rockin` Roy`s Blues | Zeit, Roy Brown endlich in den R&B- und R&R-Olymp der ,Hall of Fame | | | Vor zwei oder drei Jahren kam eine CD mit dem Titel "Elvis' Favorites" auf den
Markt. Dabei handelte es sich um Sampler von 23 Originalsongs, die Elvis Presley
später coverte. Zu ihnen gehörte dem Cover zufolge "Good Rockin' Tonight" von
Wynonie Harris. Und damit sind wir bereits mitten im Problem, das Roy Brown
während seiner ganzen Kariere mit sich rumgeschleppt hat. "Good Rockin' Tonight"
war nämlich keineswegs ein Original von Wynonie Harris, sondern wurde von Roy
Brown geschrieben und zuerst aufgenommen.
Roy Brown hatte seinen Song, den er 1946 geschrieben hatte in der Tat zunächt
dem bereits bekannten ,Mr. Blues' Wynonie Harris angeboten, der sich aber
uninteressiert zeigte, bis Brown dann seinen Song im Juli des folgenden Jahr
selbst aufnahm und ihn in New Orleans zu einem lokalen Hit machte. Als Wynonie
Harris dann aber einige Monate später sowohl "Good Rockin' Tonight" als auch die
B-Seite mit "Lolly Pop Mama" coverte schlug er - erwartungsgemäß - die
Originalversion in den R&B-Charts. Wenngleich Browns Originalversion daraufhin
im folgenden Monat ebenfalls in die Top Ten kam -und so die Serie von 15 Hits
zwischen der Mitte des Jahren 1948 und dem Ende von 1951 eröffnete - gelang es
dem dann doch noch zum "Good Rockin' Brown" avancierten Sänger letztlich nie, in
Hinblick auf seinen Bekanntheitsgrad seinen Konkurrenten Wynonie einzuholen. An
Bemühungen fehlte es nicht, denn beide nahmen der in jenen Zeiten nicht
unüblichen Sitte folgend eine Reihe von Songs auf, die Antworten auf einen des
jeweils anderen waren. Nachdem Harris den Song Anfang 1948 herausgebracht hatte,
schrieb Roy Brown ihn als "Rockin' At Midnight' um und brachte ihn so im Januar
1949 auf den Markt, worauf Harris wiederum 1952 mit "Bad News Baby (There'll Be
No Rockin' Tonight" antwortete und Brown 1953 mit "Ain't No Rockin' No More"
parierte. Elvis Presley - und nach ihm eine Reihe weiterer weißer Rock ,n'
Roller wie Jerry Lee Lewis, Ricky Nelson und sogar der unvermeidliche Pat Boone
- brachte "Good Rockin' Tonight" 1954 bei Sun Records heraus.
Roy Brown war am 10. September 1925 in New Orleans geboren worden.
Seine Eltern sangen in der Kirche. Nachdem der Vater die Familie verlassen hatte
und er nach Eunice/Louisiana umgezogen war, gründete er dort 1938 die
Gospel-Quartett "Rookie Four". Der Tod seiner Mutter jedoch zwang ihn, seinen
Lebensunterhalt zu verdienen, und das ging offensichtlich besser als Boxer in
Los Angeles, wohin er 1942 umzog, denn als Gospel-Sänger. Das Singen gab er
allerdings nicht ganz auf. Allerdings spezialisierte er sich weniger auf Gospel
als auf das Singen von Balladen im Stil von Bing Crosby. Damit gewann er 1945 in
der Talentshow im "Million Dollar Theater". Daraufhin entschloss er sich, es als
Profi-Sänger zu versuchen, zunächst in Shreveport/L. und dann in Galveston,
Texas bevor er 1947 nach New Orleans zurückkehrte - immer noch eher als Pop-
denn als Blues-Sänger. "Good Rockin' Tonight" war sozusagen sein erster Schritt
in eine für ihn neue Richtung.
Nach seinem Erfolg mit diesem Titel gründete er eine Band mit dem Namen "Mighty
Mighty Men", der eine im Song in einem eindeutig zweideutigen Sinn vorkommende
Textzeile aufgriff. Mit dieser Band tourte er in den folgenden Jahren durch das
ganze Land - Los Angeles, New York City, Atlanta, Nashville, Washington D.C.,
Baltimore etc. Zu seinen großen Hits gehörten außer den schon erwähnten 1948
"Boogie At Midnight", das den 3. Platz der R&B-Charts erreichte, 1950 "Love
Don't Love Nobody", das auf den 2. Platz kam, und schließlich sein getragener
"Hard Luck Blues", mit der er im April des gleichen Jahres den ersten Platz der
Charts erklomm. "Hard Luck Blues" blieb 18 Wochen in den Charts. Er wurde später
als sich der Geschmack von Songs im R&R Stil bereits fortentwickelt hatte u.a.
von einem so berühmten Blues-Sänger wie Little Milton auch stimmlich kongenial
gecovert. Der erste Hit von "Roy Brown & His Mighty Mighty Men" war 1947 "Miss
Fanny Brown" gewesen, der unter dem Titel "I Want My Fanny Brown" ebenfalls von
Wynonie Harris gecovert und höher in die Charts befördert wurde als das
Original.
An Roy Browns angesichts seiner außergewöhnlichen gesanglichen Fähigkeiten und
seiner historischen Rolle mangelnder Bekanntheit sollte auch die Tatsache nichts
ändern, dass er in seinem im September 1949 aufgenommenen Song "I Feel That
Young Man's Rhythm" eindeutige Forderungen stellte. Im Song heißt es: "Hey ,Good
Rockin' that's my name, they better put my song in the hall of fame". 2004 war
Roy Brown immer noch nicht in die 'Hall of Fame' des Rock 'n' Roll aufgenommen.
Bezüglich "Good Rockin' Tonight" wurde darüber diskutiert, ob nicht Roy Brown's
Version noch dem traditionellen R&B zuzuordnen sei, während die Version von
Wynonie Harry durch eine durch Hängeklatschen bewirkte zusätzliche Betonung auf
die Takteinheiten 2 und 4 erst das authentische Rock & Roll-Flair realisiert
habe. Spätestens mit dem schon erwähnten "Boogie At Midnight" hatte Brown aber
lange vor der Zeit des R&R im soziologischen Sinn - d.h. etwa ab 1954 - genau
den gleichen Rhythmus drauf.
Das half ihm aber nicht, den Sprung zum Rock ,n' Roll und den damit verbundenen
Geldern zu schaffen. Er musste in den 60er stattdessen sein Brot als reisender
Verkäufer von Enzyklopädien verdienen, wenngleich er zwischen1956 und 58 noch
eine Reihe Plattenaufnahmen gemacht hatte. 1970 machte er schließlich auf dem
Monterey Festival ein Comback im Rahmen der legendären "Johnny Otis Show". Von
1975 an trat er noch im "Parisian Room" in Los Angeles auf und 1978 begab er
sich auf eine Tournee durch Großbritannien und Skandinavien. Die Frage, ob er
damit eine nachhaltigen Comback hätte einleiten können, erübrigte sich als er am
25. May 1981 mit 56 Jahren an einem Herzanfall starb.
Im Juni 1977 schrieb ein gewisser Bernard Niquet in der Zeitschrift "Soul Bag"
in einem Artikel mit dem Titel "Roy Brown: Vorläufer in jedem Stil": "Alles, was
Blues Shouter und Rocker nach ihm sangen, hatte Roy Brown schon vor ihnen, und
viel besser, gesungen". Weshalb ihm dennoch der durchschlagende Erfolg verwehrt
blieb, darüber lässt sich wohl nur spekulieren. Vielleicht war er für die Rock
,n' Roll Epoche ab Mitte der 50er mit dreißig schon zu alt, um als Teeny-Star
mit echten singenden Teenies oder frühen Twens konkurrieren zu können. Gegenüber
Wynonie Harris mit seiner heiseren Stimme , der im übrigen ja aus dem R&R-Boom
auch nichts hatte machen können, hatte er vielleicht immer noch zu sehr das
Flair eines wohlklingenden Balladensängers und fehlte es ihm möglicherweise
etwas an der proletarischen Attitude. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Brown
eine "Miss" Fannie Brown besang, während Harris mit "My Fannie Brown" zufrieden
war. Inzwischen wird es aber wohl Zeit, Roy Brown endlich in den R&B- und
R&R-Olymp der ,Hall of Fame' aufzunehmen. | | | | Letzte Änderung: | 2005-02-01 | | Bewertung: | | |  |  | |